Wachtelküken – Vom Brutei bis zur Jungwachtel Teil 7
Wann dürfen Wachteln nach draußen? Der richtige Zeitpunkt für den Umzug
Kaum sind die Jungwachteln fast vollständig befiedert, stellt sich vielen Haltern die nächste große Frage: Wann dürfen meine Wachteln endlich nach draußen?
Die Antwort ist leider nicht ganz so einfach, denn sie hängt von mehreren Faktoren ab. Alter, Wetter, Jahreszeit und die Einrichtung des Stalls spielen dabei eine wichtige Rolle. In diesem Artikel zeige ich dir, worauf du beim Umzug achten solltest und wie deine Jungwachteln möglichst stressfrei in ihr neues Zuhause einziehen.
Gibt es ein Mindestalter?
Ein festes Alter in dem du deinen Wachteln umsetzten kannst gibt es nicht. In einen geschlossenen, winddichten Stall mit Wärmeplatte könntest du deine Küken im Sommer auch schon mit wenigen Tagen raussetzen. Üblicher ist es jedoch zu warten bis deine Jungwachteln vollständig befiedert und vor allem Fit und gesund sind.
Bei normaler Entwicklung ist das meist zwischen der dritten und vierten Lebenswoche der Fall. Erst dann können sie ihre Körpertemperatur zuverlässig selbst regulieren. Das ist entscheidend, wenn das Wetter unstet ist oder die Nächte sehr kühl, also einstellig, werden .
Das Wetter entscheidet mit
Nicht jede Jahreszeit eignet sich gleich gut für den Umzug. Im Hochsommer haben Jungwachteln natürlich ganz andere Voraussetzungen als im zeitigen Frühjahr oder im Herbst. In einem trocken Sommer können deine Tiere bereits mit 14 Tagen in einen winddichten Stall ziehen. Während im Herbst oder Frühjahr es angebrachter ist zu warten bis die Tiere mit drei bis vier Wochen fest komplett befiedert sind.
Feuchtigkeit ist häufig das größere Problem als niedrige Temperaturen. Durch eine hohe Luftfeuchtigkeit „nass gewordene“ Tiere kühlen deutlich schneller aus.
💡Züchtertipp: Im Sommer dürfen meine Jungwachteln bereits mit 10 Tagen in den Außenstall umziehen – ohne Wärmeplatte.
Voraussetzung ist allerdings:
* dauerhaft zweistellige Nachttemperaturen
* am besten trockenes warmes Wetter
* gesunde Küken
* ein trockener und gut geschützter Stall
* ausreichend Versteckmöglichkeiten für alle Küken zum zusammenkuscheln

Mit 10 Tagen durfte in in den Stall ziehen
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Tiere dadurch sehr robust werden und sich schnell an die natürlichen Temperaturen gewöhnen. Natürlich solltest du deine Wachteln in den ersten Tagen besonders gut beobachten. Wirken sie fit, aktiv und fressen normal, kommen sie mit der Umstellung meist hervorragend zurecht. Siehst du sie zittern und nur zusammensitzen, dann ist ihnen zu kalt und solltest ihnen eine Wärmequelle bereitstellen.
Die Stallausstattung entscheidet auch mit
Hast du Strom in deinem Stall zur Verfügung, bist du sehr flexibel beim Umsetzen der Wachteln. Denn so kannst du je nach Witterung und Nachtemperaturen eine Wärmequelle je nach Bedarf anbieten. Ohne Strom solltest du dich nach dem Wetter der kommenden 14 Tage richten.
Bevor die Jungwachteln umziehen, sollte ihr neues Zuhause komplett vorbereitet sein. Dazu gehören:
* mehrere Verstecke, z.T. Mit Heu
* Äste oder Tannenzweige
* ein Sandbad
* mehrere Futterstellen mit Kükenfutter
* mindestens zwei Tränken bei größeren Gruppen.

Wachtelküken dösen im „Unterholz“
Je abwechslungsreicher der Stall gestaltet ist, desto sicherer fühlen sich die Tiere. Und desto entspannter wachsen sie auf.
Warum Verstecke so wichtig sind
Nach dem Umzug müssen die Jungwachteln ihre Rangordnung weiter festigen. Dabei kommt es gelegentlich zu kleinen Auseinandersetzungen. Viele Verstecke sorgen dafür, dass unterlegene Tiere jederzeit ausweichen können.
Außerdem sind Wachteln Fluchttiere, die normalerweise im Unterholz Leben. Sie fühlen sich ohne Verstecke wie auf dem Präsentierteller und stehen dadurch unter Stress.
Besonders gut als Verstecke und Deckung eignen sich:
* Tannenzweige
* ungiftige Laubzweige (z.B. Haselnuss, Birke, Linde, Buche…)
* Korkröhren, Grashäuschen, Heuhöhlen
* kleine Holzhäuschen
* Grasbüschel (Grassoden)
* Pflanzen in Töpfen (z.B. Lavendel, Oregano oder Rosmarien)
Eine strukturierte Voliere wirkt deutlich ruhiger als eine offene Fläche.
Die ersten Tage gut beobachten
Auch wenn der Umzug problemlos verläuft, solltest du deine Wachteln in den ersten Tagen häufiger kontrollieren. Achte besonders darauf, dass alle Tiere Fressen und trinken. Nutzen sie die Verstecke? Wirken sie zufrieden und entspannt?

Wachtelküken 14 Tage alt, genießen die Morgensonne
Muss ich die Wachteln langsam an die Außentemperatur gewöhnen?
Diese Frage höre ich häufig. Nach meiner Erfahrung ist das bei gesunden, vollständig befiederten Jungwachteln im Sommer nicht notwendig. Sie kommen mit den natürlichen Temperaturschwankungen sehr gut zurecht, sofern der Stall trocken, zugfrei und gut strukturiert ist.
Anders sieht es bei kalten Nächten oder sehr wechselhaftem Wetter aus. Dann ist etwas Geduld mit den Umzug nach draußen meist die bessere Entscheidung. Insgesamt sind Wachten meiner Erfahrung nach robuster, als wir meist denken. Auch macht ihnen übermäßige Hitze und Nässe mehr zu schaffen als kühle Nächte.
Häufige Fehler beim Umzug
Von diesen Fehlern höre ich immer wieder:
* Die Wachteln ziehen zu früh nach draußen, bei unpassendem Wetter
* Der Stall bietet kaum Verstecke, keine Kuschelhöhle
* Es gibt nur eine Futter- oder Wasserstelle, rangniedrige Tiere kommen kaum zum Fressen
* Der Stall ist zugig oder dauerhaft feucht
* Die Tiere werden nach dem Umzug kaum beobachtet
Wer diese Punkte vermeidet, schafft seinen Jungwachteln einen deutlich entspannteren Start.
Fazit
Der richtige Zeitpunkt für den Umzug hängt nicht allein vom Alter der Wachteln ab. Viel wichtiger sind ein vollständiges Gefieder, passende Temperaturen und ein gut vorbereiteter Stall. Mit ausreichend Verstecken, mehreren Futter- und Wasserstellen sowie einer aufmerksamen Beobachtung in den ersten Tagen gelingt der Umzug meist völlig problemlos.
Im letzten Teil unserer Serie schauen wir uns an, was sich ab der sechsten Lebenswoche verändert und wie aus Jungwachteln schließlich ausgewachsene Tiere werden.
Serienübersicht
1. Wachtel-Bruteier richtig ausbrüten – Die komplette Anleitung bis zum Schlupf
2. Der Schlupf der Wachtelküken – Die letzten drei Tage und was jetzt wichtig ist
3. Die ersten sieben Tage mit Wachtelküken – Der Grundstein für gesunde Tiere
4. Die zweite Lebenswoche – Jetzt werden deine Wachtelküken richtig aktiv
5. Die dritte bis fünfte Woche – Aus Küken werden Jungwachteln
6. Hahn oder Henne? Geschlecht bei Wachteln sicher erkennen und rechtzeitig trennen
7. Wann dürfen Wachteln nach draußen? Der richtige Zeitpunkt für den Umzug
8. Aus Jungwachteln werden Legewachteln – Was sich ab der 6. Lebenswoche verändert