Wachtelküken – Vom Brutei bis zur Jungwachtel Teil 6

Hahn oder Henne?

Wachtelküken – Vom Brutei bis zur Jungwachtel Teil 6

Wer Wachteln ausbrütet oder Jungtiere aufzieht, stellt sich früher oder später dieselbe Frage:
Ist das eine Henne oder ein Hahn?

Spätestens ab der vierten Lebenswoche wird diese Frage wichtig. Denn während Hennen meist friedlich zusammenleben, beginnen junge Hähne jetzt langsam ihre Rangordnung auszukämpfen. Wer zu lange wartet, riskiert unnötigen Stress und Verletzungen.
In diesem Artikel zeige ich dir, woran du Hähne und Hennen erkennst und warum eine rechtzeitige Trennung so wichtig ist.

Ab wann kann man das Geschlecht erkennen?
Das hängt in erster Linie vom Farbschlag ab. Bei vielen Farbschlägen lässt sich das Geschlecht bereits zwischen der vierten und fünften Lebenswoche recht zuverlässig erkennen.
Bei anderen Farbschlägen ist dagegen etwas Geduld gefragt, da die Untersuchung der Kloake notwendig ist.

Je älter die Tiere werden, desto eindeutiger werden die Unterschiede. Brustzeichnung – Der einfachste Hinweis. Bei Wildfarben, Goldsprenkel, Rotkopf und einigen weiteren Farbschlägen ist die Brustzeichnung der sicherste Hinweis.

Die Henne
Die Brust ist hell und deutlich mit dunklen Punkten oder Sprenkeln versehen. Diese Tupfen bleiben auch im Erwachsenenalter erhalten. Auch an der Kopfzeichnung kann man die Henne sehr gut erkennen. Der Kopf ist hell und weist eine feine Zeichnung auf.

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das Bild zeigt eine wildfarbene Junghenne

Der Hahn
Der Hahn besitzt dagegen meist eine einfarbige rost- bis zimtfarbene Brust ohne Sprenkel.
Dieser Unterschied ist häufig schon mit vier bis fünf Wochen gut zu erkennen. Auch hier verrät die Kopfzeichnung einen Hahn sehr schnell. Hähne von bestimmten Farbschlägen entwickeln eine rostrote Kopfzeichnung.

Wachtelhahn, Farbschalg Gold
Wachtelhahn, Farbschlag Gold

drei Wochen alter Wachtelhahn, Farbschlag Goldsprenkel
Drei Wochen alter Hahn, Farbschlag Goldsprenkel

💡Züchtertipp:
Vergleiche immer mehrere gleichaltrige Tiere gleichzeitig. Die Unterschiede fallen dann deutlich schneller auf als bei einer einzelnen Wachtel.

Hier noch mal der Vergleich: Links siehst du eine Goldsprenkel Henne und rechts einen Rotkopf Hahn. Siehst du den Unterschied in der Kopfzeichnung?

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Und wer ist hier Hahn unt Henne, kannst du es sehen?

Links der Hahn und rechts die Henne
Links der Hahn und rechts die Henne

Nicht bei jedem Farbschlag funktioniert das Erkennen des Geschlechts am Gefiederkleid. Bei weißen, schwarz, Tenebrosus oder vielen Schecken funktioniert die Erkennung an der Brustzeichnung leider nicht. Hier sehen Hähne und Hennen oft nahezu identisch aus.

In diesen Fällen hilft später die Kloakenuntersuchung oder das Verhalten der Tiere. Das Verhalten verrät oft schon viel. Etwa ab der vierten Lebenswoche verändern sich besonders die jungen Hähne. Sie beginnen:
* erste Krährufe auszuprobieren
* imponieren sich gegenseitig
* kleine Kämpfe auszutragen
* andere Wachteln zu verfolgen

Anfangs wirken diese Kämpfe oft harmlos. Innerhalb weniger Tage kann sich das jedoch deutlich steigern. Deshalb solltest du deine Jungtiere jetzt täglich beobachten, da Wachteln sich leider auch ernsthaft gegenseitig verletzen können.

BildWachtelhahn kräht

Die Kloakenuntersuchung
Ab etwa der fünften bis sechsten Lebenswoche lässt sich das Geschlecht bei fast allen Farbschlägen über die Schaumdrüse bestimmen. Vorrausgesetzt deine Tiere wachsten im Führjahr oder Sommer auf, denn der Test funktioniert nur bei sexuell aktiven Tieren. Sind die Tage zu kurz und deine Wachteln in Winterpause-Stimmung, wird der Test nicht gut funktionieren.

Für den Kloakentest nimmst du deine Wachtel in eine Hand und dreht sie auf den Rücken. Nun schaust du dir den Kloakenbereich zwischen Schwanz und den Beinen an. Dazu kannst du vorsichtig in das Federkleid pusten und dann die Feder beiseite streichen, um die Kloake besser zu sehen. Unterhalb der Kloake haben die Hähne eine Schaumdrüse die als kleine Beule sichtbar ist.

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dicker weißer Schaum, eindeutig ein Hahn

Übt man vorsichtig Druck auf diese Schaumdrüse aus, tritt weißer Schaum aus. Dieser Schaum hilft dem Hähnchen bei der Befruchtung und Hennen besitzen diese Drüse nicht. Je älter das Hähnchen ist, desto deutlicher ist die Schaumdrüse zu sehen. Gerade bei Farbschlägen ohne sichtbare Gefiederzeichnung ist diese Methode sehr zuverlässig. Führe die Untersuchung ruhig und vorsichtig durch. Ein kurzer Blick und leichter Druck genügt – unnötiger Stress für die Tiere sollte vermieden werden.

💡Züchtertipp: Als Hahn gilt bei mir nur der dicken, Rasierschaum ähnlichen Schaum aus der Drüse produziert. Leichtes „Geblubber“ kann eine Henne sein, die gerade erst vom Hahn getreten wurde.

Bei einer Henne siehst du diese Drüse nicht. Ausserdem haben Hennen eine eher verstecktere Kloake die eher größer ist, muss ja auch ein Ei durch passen.

Warum die Hähne rechtzeitig getrennt werden sollten
Viele Anfänger hoffen, dass sich die Rangordnung von selbst regelt. Leider ist das bei mehreren Hähnen selten der Fall. Mit zunehmendem Alter werden die Kämpfe heftiger. Dabei kann es zu:
* Federverlust
* ernsthaften Versetzungen
* viel Stress
* dauerhaftem Mobbing kommen.

Deshalb sortiere ich meine Hähne ab der vierten Lebenswoche nach und nach aus, sobald sich das Geschlecht sicher erkennen lässt oder das Verhalten eindeutig wird. Das sorgt für deutlich mehr Ruhe in der Gruppe.

Wie viele Hähne kann man zusammen halten?
Diese Frage bekomme ich sehr häufig. Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keine feste Regel.
Manche Brüder verstehen sich erstaunlich lange, jedoch selten ein Leben lang. Andere beginnen bereits früh mit heftigen Kämpfen.

Willst du mehrere Hähne dauerhaft zusammen halten, sollten sie sich schon mal grundsätzlich gut verstehen. Und zusätzlich brauchst du pro Hahn mindesten vier Hennen halten. Eine entsprechende große und gut strukturierte Unterbringung hilft ebenso dabei, das deine Gruppe langfristig ruhig und entspannt bleibt.

Du solltest dich niemals darauf verlassen, dass Deine gemischte Gruppe dauerhaft harmonisch bleibt. Entscheidend ist immer das Verhalten der Tiere. Hab also täglich ein Auge auf den Zustand und das Verhalten deiner Tiere.

Wer selbst brütet wird immer mehr Hähne haben, als er unterbringen oder vermitteln kann. Hier bietet es sich an die überzähligen Hähne in einer Gruppe zu halten, bis sie den Weg mit 6-8 Wochen in die Küche finden.

💡Züchtertipp: Ich halte meine Hähne ab der vierten Woche seperat mit großem Abstand zu den Hennen. So können die Hähne die begehrten Wachtelhennen nicht hören und bleiben länger entspannt miteinander.

Wie viele Hennen braucht ein Hahn?
Für eine harmonische Gruppe empfiehlt sich ein Verhältnis von etwa einem Hahn auf vier bis sechs Hennen. So verteilt sich die Aufmerksamkeit des Hahns auf mehrere Tiere und einzelne Hennen werden nicht übermäßig belastet.

Natürlich gibt es auch reine Hennengruppen. Sie funktionieren in der Regel problemlos und eignen sich besonders für Halter, die hauptsächlich Eier möchten und auf den typischen Krähruf und eigenen Nachwuchs verzichten möchten.

Fazit
Das Geschlecht deiner Wachteln möglichst früh zu erkennen, erleichtert die weitere Haltung enorm. Beobachte deine Jungtiere aufmerksam, achte auf Brust- und Kopfzeichnung, Verhalten und – falls nötig – auf die Schaumdrüse.

Wer Hähne rechtzeitig trennt, verhindert viele spätere Probleme und sorgt für eine deutlich ruhigere Gruppe. Im nächsten Teil unserer Serie schauen wir uns an, wann Jungwachteln dauerhaft nach draußen dürfen und wie der Umzug in den Außenstall stressfrei gelingt.

Serienübersicht
1. Wachtel-Bruteier richtig ausbrüten – Die komplette Anleitung bis zum Schlupf
2. Der Schlupf der Wachtelküken – Die letzten drei Tage und was jetzt wichtig ist
3. Die ersten sieben Tage mit Wachtelküken – Der Grundstein für gesunde Tiere
4. Die zweite Lebenswoche – Jetzt werden deine Wachtelküken richtig aktiv
5. Die dritte bis fünfte Woche – Aus Küken werden Jungwachteln
6. Hahn oder Henne? Geschlecht bei Wachteln sicher erkennen und rechtzeitig trennen
7. Wann dürfen Wachteln nach draußen? Der richtige Zeitpunkt für den Umzug
8. Aus Jungwachteln werden Legewachteln – Was sich ab der 6. Lebenswoche verändert